Die Besucher des Kunsthistorischen Museums können mit den Leihgeräten, die inzwischen schon in vielen Museen verfügbar sind, nicht nur Erläuterungen zu den einzelnen Kunstwerken abhören, sie können auch auf Knopfdruck ein Bild wählen das später in ihrem persönlichen Katalog zum mitnehmen ausgedruckt aufscheinen wird. Zu einem moderaten Preis kann nun jeder Besucher zum Sammler seiner eigenen Erinnerungen werden. Das motiviert nicht nur zum genauer schauen, es ist eine neue Form der Sammlertätigkeit, die über das kaufen von Postkarten oder Büchern hinausgeht. Es macht einfach Spaß, selbst tätig zu werden und am Ende der Runde durch das Museum, nach kurzer Wartezeit ein Katalogheft frisch gedruckt und gebunden, dank vorausgesandter Signale mit nach Hause nehmen zu können. Neue Technologien im Dienste der Betrachter, der Genießer, aber auch der Kunst, denn es wird ja ein Nahverhältnis eventuell hergestellt oder aber gefestigt. Das ist wirklich ein geniales Vermittlungssystem.

Es gibt nun gute Gründe, hier zu Entwicklungen im Kunstbereich Stellung zu nehmen, weil im Bereich neue Technologien, Vermittlungsstrategien und kuratorischer Tätigkeit eine Art Gedankensalat entstanden ist. Bei historischen Kunstwerken scheint ja noch klar zu sein, dass "technische" Qualitäten, wie eine bestimmte Art des Farbauftrages, oder vorausgehende Fertigkeiten bezüglich des Anrührens der Farbe, des Aufspannens der Leinwand, nicht schon den Kunstwert definieren. Ebenso klar scheint zu sein, dass nicht das Sujet allein zählt, nicht jede Madonna mit Kind, nicht jedes Herrscherporträt zählt zu den "großen" Werken und der Meinung von Fachleuten die eine Vielzahl von Werken kennt und einschätzt, wird ein Stellenwert zugemessen. Der Betrachter oder Liebhaber von historischen Kunstwerken entwickelt durchaus eigene Vorlieben, Theorien und schlussendlich vielleicht auch Kennerschaft. Es gibt aber auch Menschen, denen der Ausdruck der Werke nicht zeitgemäß erscheint und sie deshalb zu zeitgenössischer Kunst tendieren. Im Bereich Medienkunst, sowie in zeitgenössischen Darstellungen von politischen Prozessen, bei der Hinterfragung von Vermittlungsstrategien, kommen immer wieder marginale Daten zum Zug. Die visuellen Qualitäten, die visionären und gestaltgebenden Aspekte werden nicht als wesentliche Werte miteinbezogen, technische Innovationen und gesellschaftliche Prozesse werden sozusagen blank schon für Kunst genommen. Auch Vemittlungsstrategien rangieren oft schon unter Kunst sowie das vernetzen von Personen/Gruppen die sich zu Bedingungen unter denen Kunst entstehen kann oder reflektiert wird, Gedanken machen. Das ist dann vielleicht Kontext als Kunst?  <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<