<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<    INFOTAINMENT + WELTNACHRICHTEN  

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte?.........oder......... Ein Wort sagt mehr als tausend Bilder?

Gehen wir diesen beiden Behauptungen einmal nach!

BEIDES KÖNNTE RICHTIG SEIN.

Sprechende Bilder.....oder.....Bilder lesen können, das sind Begriffe die darauf verweisen, dass die Sprache der Bilder einen hohen Informationswert haben kann. Was aber Bilder auch können, ist: Emotionen auslösen, deren man sich gar nicht so recht bewusst wird. Bilder können Wirkungen entfalten, die man nur schwer nachweisen kann. Diese Tatsache wurde und wird von Strategen aller Art auch sehr gezielt eingesetzt, nicht immer zu Gunsten der mit Bildinformationen überfluteten Menschen. Politiker, Religionsführer, Produktmanager und all Jene, die statt Information gern „Image"(also das gestylte Gesamtbild) verkaufen, nützen die Sprache der Bilder. Allerdings ist da meistens Text dabei der die Botschaft potenziert, sowie der Bildauffassung eine Richtung weist. Werden die Bilder also missbraucht, indem man die Bilder manipulativ einsetzt?

ZUR UNSCHULD DER BILDER: Schon was fotografische Originale anbelangt, war und ist Manipulation möglich, die neuen Technologien, wie etwa die Software Photoshop, machen es leichter als je zuvor, Bild-Information verfügbar zu machen. In den Printmedien werden Bilder gern als „Anreißer" eingesetzt, nicht zuletzt um das Produkt Zeitung besser verkaufen zu können. Ja, und da es nach wie vor erstaunlich viele Menschen auf dieser Welt gibt, die weder lesen noch schreiben können, erfüllen Bildnachrichten auch immer noch eine Funktion wie sie bei uns in Mitteleuropa im Mittelalter gebräuchlich war.

DIE BILDQUALITÄTEN DER KUNST sprechen allerdings eine andere Sprache, sie sind oft „Aufmacher" einer anderen Art, sie motivieren uns gerade hinter jene Strategien zu blicken, die uns manipulieren. Einer der Gründe, warum Kunst nicht so populär ist, wird wohl jener sein, dass man weit eher als Schönes vorzugaukeln, in den Wunden stöbert, über als gegeben zementierte Zustände hinausdenkt, überraschende Konfrontationen herstellt und Bildqualität überhaupt neu definiert. Selbst wenn man sich unter „Bildender Kunst" nach wie vor Bildsprachen vorstellt, ob sie nun dreidimensional aufbereitet, als Laufbild, als interaktives Arrangement oder als Webkunst auf uns wirken, auch die neuen Bildkonstrukte von Künstlern stehen wie die Bildbotschaften mit konventionelleren Methoden, für eine Sprache die nicht Werbung ist, sondern diese hinterfragt. Zunehmend haben aber Textstrukturen, Textbilder und gesprochene Worte Einzug in die Bildende Kunst gehalten. Ist es also Zeit die Seiten zu wechseln?

Was ist Information? Wie entwickelt sich ONLINE – INFORMATION?

Provokant formulierte die Journalisten-Ausbildnerin Gabriele Hooffacker EIN WORT SAGT MEHR ALS TAUSEND BILDER im Zusammenhang mit der Gestaltung von Information im journalistischen Kontext. Den Journalisten legt sie nahe, die uralten Regeln „Wer (tut) was, wann, wo, wie, warum + woher stammt die Information, anzuwenden. Dies täte auch Online-Informationen gut, meint sie, zumindest wenn es sich um „Nachrichten" handelt. Spielereien in Multimedia, möge man reichlicher in anderen journalistischen Online-Disziplinen verwenden, so ferne man glaubt die Usergruppe ist so ausgerüstet, dass sie das Angebot auch nützen kann und will. Also Nachrichten als Infotainment, damit würde man in der Journalistenschule durchfallen. Ja, was sind „Nachrichten"? Im Radio ist das einfach, sie werden so angekündigt. In den Printmedien und den Online-Redaktionen ist das nicht mehr ganz so klar, weil es ja Kommentare gibt und langatmige Artikel, die von allen Disziplinen etwas haben. Mit Text kann man einen Sachverhalt klar umreißen, Bilder können vom Betrachter ohne Hintergrundinformation nur schwer verortet und in Kontexte eingeordnet werden. Bilder verleiten zu Mutmaßungen, lösen spontan Gefühle aus.

WARUM BRINGE ICH DIESE INFORMATIONSSYSTEME ZUSAMMEN? Was haben Journalismus und Kunst gemeinsam? DIE RECHERCHE! Das Sammeln von Daten im weitesten Sinne, als Voraussetzung für ein Produkt sind der kleinste gemeinsame Nenner. Die Kunst scheint gerade jetzt in dem Ausmaß informativer zu werden, in dem der Journalismus für sich neue Regeln schreibt.

INFOTAINMENT + WELTNACHRICHTEN zielt aber nicht auf die „gute" Kunst und den „bösen" Journalismus, sondern auf ein erweitertes Wahrnehmungsfeld von Informationssystemen und deren Darstellungsformen.

Beim Wühlen in den Materialien die man für Zitate nützen könnte, bin ich auch auf eine Spur gestoßen, die man vielleicht als historischen Hintergrund sehen kann. Kürzlich hielt Frau Prof. Vittoria Borsó im Museum Kunstpalast in Düsseldorf einen Vortrag zu „Texte sehen, Bilder lesen". Sie bezog sich auf Umwälzungen zur vorangegangenen Jahrhundertwende, die damals wohl genauso gravierend waren, wie das was jetzt durch Computer und Internet in Bewegung geraten ist. Mit dem Dichter Stephane Mallarmé begannen sich Texte und Bilder anzunähern, auszutauschen. Wörter müssen gesehen, gehört, getastet werden, Bilder sind keine Abbildung der Realität mehr, sondern bewegliche Zeichen an der Grenze der Lesbarkeit. Der Betrachter findet keine vorgegebene Einstellung zum Bild mehr.

TEXTE SEHEN:

Abgesehen von der „Körpersprache" der Buchstaben, Sätze, Absätze, Seiten, besteht auch die Möglichkeit durch Text etwas sichtbar zu machen. Mit Text Bilder im Kopf auslösen, das ist ein Wunsch von Autoren, Journalisten, ganz besonders aber auch von Werbestrategen aller Art. Jetzt wird es schwierig. Wo fängt Manipulation an wo hört sie auf, was ist Infotainment, was Information und ist Infotainment überhaupt negativ gemeint?

DAZWISCHEN GESPROCHEN:

Ich baue jetzt etwas auf, was in der Journalistensprache Feature heißt, eine Story die aus vielen Einzelinformationen einen Überblick über ein Feld herstellt. Vorträge halte ich so gut wie nie. Ich habe sehr viele Artikel publiziert und viele Fotoarbeiten im Kunstkontext ausgestellt, oder publiziert. Mit diesem Vortrag versuche ich zu beobachten, ob Worte Bilder auslösen können und ob reiner, gesprochener Text als Vortrag im multimedialen Zeitalter eine Funktion hat. Darüber, und über all die angesprochenen Themen, möchte ich im Anschluss mit ihnen diskutieren. Das Motto: Habe ich etwas geboten, das in der Lage war, Erinnerungen zu wecken, Zusammenhänge herzustellen, Fragen aufzuwerfen.

ZURÜCK ZUR INFORMATION

Die klassischen Informationssysteme haben Konkurrenz bekommen, nicht nur durch die derzeit aktuellen Kunstformen. Auch die Werbeformen haben eine sehr ernst zu nehmende Konkurrenz erhalten, nämlich durch wirklich klar gegliederte Information. Ein Beispiel: Meine Nachbarin Eva Pernt macht Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung und versendet ein Klienten-Info vierteljährlich, an Klienten und noch nicht Klienten, wie mich z.B.

Das Besondere daran ist, dass diese Klienten-Info wie eine bestens gestaltete Vereinszeitung aussieht, jedoch abgesehen von freundlichen Wünschen für einen erholsamen Sommer, nur und ausschließlich Informationen zur Lage bietet. Alles was derzeit bezüglich Gesetzeslage aktuell ist oder gerade verändert wird und ihre Klienten betreffen könnte, wird gut strukturiert angeboten. Braucht man da überhaupt noch einen Steuerberater, könnte man sich fragen? Was ist das nun? Es ist sicher auch Werbung, es ist aber sicher auch ein Informationsgeschenk.

Solche und ähnliche Informationsgeschenke, werden zunehmend gemacht, vor allem im Internet. Das Informationsgeschenk im Internet offeriert oft noch zusätzlich den download von gratis Software oder zeitlich begrenzte Nutzung von Software, also Probepackungen. Damit ist man aber nicht immer nur gut bedient, denn da installiert sich mitunter dann doch noch hartnäckige Werbung. Auch Lernhilfen werden im Internet gratis angeboten, wie etwa Ulli Meybohm´s HTML Editor. In diesen Zusammenhang passen noch die E-Mail Abonnements die von zahlreichen Seiten angeboten werden, die man gewöhnlich mühelos wieder löschen kann, wenn man diesen Content nicht braucht. Wie ihr vielleicht wisst, kann man sich z.B. auch Wettbewerbsausschreibungen für Künstler und Fotografen ausdrucken, oder für die eigene Veranstaltung Werbung machen oder Beides wie bei www.fotoinfo.de Wovon leben diese Menschen, die sich so viel Arbeit gratis machen, oder wer steckt da dahinter? Mitunter sind das wirklich Einzelkämpfer, denen natürlich die Luft ausgeht, wenn sie nicht gefördert werden, manche werden auch engagiert, dann ist aber auch ihr Angebot weg. Es sind jedenfalls unzählige neue Lesergemeinschaften im Netz entstanden, die nicht im Zusammenhang mit etablierten Zeitungen, Institutionen, Firmen stehen. Gerade diese Seiten versuchen oft ein neuartiges Angebot und neue Umgangsformen zu etablieren.

WELTNACHRICHTEN

Neben den Informationen, die vordergründig so aussehen, als ob sie nützlich wären, bieten sowohl Kunst als auch Journalismus Informationen an, die eigentlich niemand so recht wahrnehmen will, weil sie auf Missstände verweisen. Geht es um Katastrophen, Unfälle, oder auch um fiktiven Horror, so gibt es ein Publikum, das Solches genießt. Man braucht ja nur das TV aufzudrehen, dann sieht man ja was Einschaltquoten bringt. Gemeint sind aber nun jene Beiträge, die Probleme sachlich behandeln und so aufbereiten, dass man verstehen kann worum es geht, die aber weil sie tabuisiert sind, oder aber den Interessen einer Religionsgemeinschaft, eines Regimes, einer Partei, eines Marktleaders zuwiderlaufen, gern unterbunden werden. Damit sind wir nicht nur bei der Zensur, sondern auch beim Mord an engagierten Journalisten. Ob sich Seriosität lohnt oder nicht und in welchem Sinne, bleibt noch zu erörtern, dass aber nach wie vor viel Engagement vorhanden ist, das möchte ich anhand einiger Beispiele beweisen. Der Markt der Informationen ist keineswegs durchgängig korrumpiert. Ferner: TRADIERTE WERTE UND TRADIERTE AUSBEUTUNG bestimmen immer noch weltweit breite Bevölkerungsschichten, die Manipulationsstrategien hat nicht das Informationszeitalter erfunden.

Beginnen möchte ich mit einem berührenden Ausdruck der Selbstreflektion eines Journalisten, der auch ein Berufsproblem anspricht: Michael Kuscher in der Kärntner Tageszeitung: „Die eigene Skala der Wertigkeiten bedarf mitunter einer radikalen Korrektur. Da flattern täglich Hunderte Meldungen über den Schreibtisch, und wenn einmal die Wahrheit durchblitzt, glaubt man sie gar nicht. Welchen Winkelzügen politischen Handelns messen wir größte Bedeutung bei und übersehen dabei das unvorstellbar Schreckliche."

Nachdenken kann man natürlich auch über die Notwendigkeit von Journalismus. Was wäre, wenn es ihn nicht gäbe? Würden wir ruhiger schlafen, wenn wir das alles nicht wüssten?

Als Antwort möchte ich 3 Artikel aus den Salzburger Nachrichten vom 24. Juli zitieren: „Skandalfall Sklaverei" auf der Seite Weltpolitik, „Nachhaltig nur im Reden", auf der Seite Wissen/Medizin/Umwelt, und" Macht was Großes" auf der Seite Kultur. Drei Artikel in einer Nummer, die das Weltbild aktualisieren, sind nicht so selten.

In „Skandalfall Sklaverei" beschreibt Rudolf Grimm die Tatsache, dass trotz weltweiten Sklaverei-Verbotes, Millionen Menschen rund um den Globus in völliger Abhängigkeit und Knechtschaft gehalten werden. Menschenhandel betrifft zunehmend Kinder. Sie werden von armen Eltern verkauft oder für einen Kredit in Schuldknechtschaft gegeben.

In „Nachhaltig nur im Reden" wurde ein APA-Bericht aufbereitet. Weniger Wälder, mehr Wüsten und Treibhausgase – die Klimakonferenzen demontieren scheibchenweise die Arbeit der Umweltschützer, die USA gebärdet sich nicht einmal einsichtig, doch auch Österreichs nationaler Beitrag lässt zu wünschen übrig, es werden 13% mehr Treibhausgase produziert, als vorgesehen. In Afrika schreitet die Verwüstung fort, bereits 65% der Agrarflächen sind verdorrt.

In „Macht was Großes" beschreibt Berhard Flieher, wie sich in New York die Kulturszene gegen das ohne Wettbewerb entstandene Ersatzprojekt für das am 11. September zerstörte World Trade Center wehrt. Rentabilität schien hier das Kriterium für Architektur zu sein. (Doch wenigstens hier gibt es Hoffnung, vielleicht setzen sich die Kritiker durch.)

Als Journalist nützt man vielleicht die Möglichkeit von selektierten Informationsangeboten durch Plattformen welche für Journalisten gedacht sind, wie die österreichischen Vorausmeldungen aus Zeitungen von OTS oder schaut sich die „Weltnachrichten" des European Journalism Centre an. Dort erfährt man zum Beispiel was so in Sachen Zensur da und dort läuft. Einige Beispiele:

A Harvard Law School report has found that Saudi government has blocked approximatly 2.000 Web sites. Most of the blacklistet sites were sexually explicit or about religion, but the governement also blocked sites about woman, health, drugs and pop culture.

South Africa: The professionals, who include Internet service providers and lawyers, have petitioned President Thabo Mbeki not to sign a new bill that would allow the governement to take control of the registration and administration of internet domains.

(Einige Tage später konnte man lesen, dass diese Gefahr abgewendet werden konnte.)

Italien police have closed down five US-based Web sites that had been blasheming Catholicism with a combination of pornographic pictures and offensive statements about Madonna. At these adresses, the mention of God and Madonna, besides being preceded by strongly vulgar language, was tied to explicit images of sex, the police said.

Serbia: Almost two years after the fall of former Yugoslav President Slobodan Miloseic´s regime, the Serbian parliament has passen a law that will transform the country´s state-rum radio and television network into an independent public broadcaster and give it the authority to issue licences to new media.

ZENSUR: Wo fängt sie an, wo hört sie auf, hat sie da und dort vielleicht Berechtigung?

TOLERANZ: Was toleriert wer und warum? Eine ebenso heikle Frage!

NACHRICHTEN und Unterhaltung:

Als zeitlich hintereinandergefügte Einrichtungen wie sie im Radio Ö3 und anderen Sendern praktiziert werden, sind sie für viele Menschen offenbar das was ihren Bedürfnissen entspricht, das Problem ist nur, dass es nicht immer Nachrichten gibt, dann wird halt irgendwas geplappert. Ob nun Zeit oder Raum gefüllt werden muss, Aktualität bei gleichbleibender Seitenzahl oder gleichbleibendem Zeitvolumen produziert unterschiedliche Qualität.

INFOTAINMENT – Ist das überhaupt ein aktuelles Problem?

Jahrelang haben sich Kulturkritiker über allerlei Oberflächlichkeiten empört. Die Architekturen sind nur mehr hübsche Kulissen, die Kunst gehorcht den Moden des Marktes, die Kultur-Events sind ist zum Spektakel für Adabeis verkommen, man zeigt sich weit eher, als dass man das Gebotene auf sich wirken lässt. Dem Kulturjournalismus wurde die willfährige Darstellung dieser Hofhaltung vorgeworfen – von Theoretikern. Denn im Grunde genommen war es ja allen recht – man wollte ja möglichst amüsant transportiert werden. Zum Vergnügen gehörte auch, dass die ein oder andere Aufführung genüsslich zerfetzt wurde, Kritik konnte schon auch polemisch sein – stimmen sollte es halt, besonders das Negative. Für bemühte Langeweile nehmen sich Leser, Hörer, Betrachter eben nicht gern Zeit.

Lange Zeit gab es vorwiegend zwei Lager, jenes der Produzenten und jenes der Leser und Konsumenten. Damals und heute glauben Journalisten, dass sie für Leser, Hörer, Betrachter produzieren, ja dass der Sinn journalistischer Praxis darin liegt, Fakten, Wahrnehmungen, Zusammenhänge so aufzubereiten, dass sie einer mehr oder weniger vielschichtigen Leserschaft einen Eindruck vermittelt. Gerade im Kunstkontext sprechen Produzenten und Veranstalter aber gern von journalistischer Unterstützung, womit ja eigentlich Gratiswerbung gemeint ist. Je subventionsabhängiger sie sind, umso mehr fordern sie diese Gratiswerbung ein. An dieser Stelle ist die vielleicht doch nicht so glückliche Verknüpfung von Sponsorentätigkeit und Werbung anzumerken. Inzwischen wollen ja auch die staatlichen Stellen beworben werden und alle Veranstalter stehen vor dem Problem, dass sie Aufmerksamkeit nachweisen müssen. Da steht dann vielleicht die Notwendigkeit der Anbiederung im Raum. Doch gerade jetzt gibt sich die Kunst sehr politisch bewusst. Womit bewirbt man nun so viel Ernst?

IST DIE LAGE NICHT ZU ERNST FÜR INFOTAINMENT?

Ein radikales Ausbeutersystem, die totale Geldgier, bei Staaten, bei Religionsgemeinschaften, innerhalb von Familien, in Arbeitsprozessen, die politischen Lügen, nicht nur in der Politik, lassen ja längst Infotainment in bestimmten Bereichen zurück, die da Sex, Mode und Hofberichterstattung heißen. Zur Unterhaltung eignen sich Magazine weit eher als Zeitungen. Genuss scheinen gerade solche Zeitschriften zu bereiten, die Tatsachen so auftischen, dass die Fakten bestürzend sind, die „Nackten Umstände" geil machen und die Ausbeutung der Betroffenen mitleidig macht. Letztlich ist aber jeder seines Glückes Schmied, denn bei der Vielzahl von Publikationen muss man ja wirklich nicht zu sich nehmen, was man als schlechte Küche empfindet. Eine der bequemen Lügen ist auch jene, dass immer die anderen Schuld sind, also zum Beispiel die Medien an der eigenen Beschränktheit.

Kunst ist rasant politischer geworden, die Probleme durch Migration, Krieg, Arbeitslosigkeit, Orientierungslosigkeit, neuer Geschwindigkeit, suchen nach Ausdruck. Die Kunst scheint neue Aufgaben zu sehen. Vorbei sind die Stilabgrenzungen, Theorien, Medienreflektionen, die Künstler sind näher ans Leben gerückt. Wie man auf der größten Schau, der Documenta in Kassel beobachten konnte, dominieren Auseinandersetzungen mit dem Leben in journalistischer Form. Die ästhetischen Belange werden mitunter sogar total vernachlässigt. In einem neuen Verständnis von Informationsweitergabe, werden Insiderinformationen aufbereitet, in und für einen anderen Kontext, als dem der journalistischen Medien. Vorausgesetzt wird mehr Zeit, die sich jemand nehmen muss und das allein ist ja schon eine Aussage. Ferner fällt auf, dass Künstler ihre Botschaften mit und in allen Medien senden. Alternative Mediennetzwerke sind entstanden, die wie Sand im Getriebe, aalglatte Funktionalitäten aus den Takt bringen. Künstler entwickeln Gegenöffentlichkeiten.

Im Falle der Documenta, hat das „politische Bewusstsein" der Künstler schon auch ein wenig mit dem Kurator OKWUI ENWEZOR und seinem Team zu tun. Wer Politikwissenschaften studiert hat, wird diesen Hintergrund auch bei der Auswahl der Künstler mitbringen. Dennoch kann man davon ausgehen, dass der Grund warum alle nach Informationen streben, warum alle Weltnachrichten verbreiten, diese Zeit im Umbruch ist, zwischen Vergangenheit und Zukunft, mit bröckelnden Werten und kaum noch Visionen.

VORSICHT PAUSENCLOWNS!

Deutschlands Politiker entdeckten noch rechtzeitig vor der Wahl das Internet, und etablierten Web sites. Schröder, Stoiber. Fischer, ließen nichts aus was Aufmerksamkeit bringen könnte, auch wenn es je nach Parteizugehörigkeit unterschiedlich, insgesamt nicht mehr als die halbe Einwohnerschaft erreichen wird. Beim platzieren in den Suchmaschinen fielen den Parteien wahrlich seltsame Werbemethoden ein, wie etwa Web sites mit so sympathischen Adressen wie www.stoppt-schroeder.de , www.stoiber-muss-weg.de , www.oekokanzler-es-reicht.de

ZURÜCK ZUR KUNST

Auch wenn Kunst weit eher Kritik als Visionen anzubieten hat, die Künstler agieren kaum je so vordergründig und mit der Keule auf den Kopf gehauen. Meistens geht es um teilnehmen oder Anteilnahme in dem Sinne, dass man für eine Situation sensibilisiert wird. Als eine Feststellung zu den aktuellen Werten konnte man das Video von Ingeborg Lüscher auf der vorletzten Biennale von Venedig sehen: Gruppenverhalten symbolisiert durch die populäre Sportart Fußball. Das Leben als Fußballfeld angelegt, doch die Spieler sind Managertypen, jung, gestylt, trainiert und rücksichtslos. Konkurrenz als Terrainnahme, Sport als Krieg, oder Krieg als Sport + faule Tricks inkludiert, so sieht die Jetztzeit aus. Das Leben ist ein Mannschaftsspiel, bei dem zumindest weltweit gesehen, die Frauen hin und wieder Schiedsrichter spielen dürfen, die Regeln nach denen gespielt wird, konnten sie aber bisher kaum nachhaltig beeinflussen. Konkurrenzverhalten (wieder nur unter Männern) beschrieb auch Isaac Julien, auf der Documenta in Kassel. Er lässt Filme in drei Teilen parallel laufen, wobei sich die Geschichten überschneiden. Sein Thema ist jenes der Multikulturalität und der neuen Konkurrenzen die sich unter Gleichaltrigen später ergeben können. Dabei blendet er immer wieder Hintergründe z.B. der Leben von Schwarzen und Weißen ein. Als Autonome im Einklang mit der Natur, als Kolonialherren und Kolonialisierte, bringen die Jungen doch unterschiedliche Erlebniswelten zumindest ihrer Eltern mit. Traumbilder von Hass und Liebe lassen die Schritte unsicher werden, der Weg in die Zukunft wird mit Bedacht und Vorsicht gewählt. Jeder Schritt könnte zählen, ins Verderben führen oder in „Paradiese", so der Titel der Arbeit. Auf der Manifesta in Frankfurt dominierten pragmatische Recherchen, das Leben der Normalverbraucher wurde eifrig studiert von den Künstlern. Der schwedische Künstler Mans Wrange führte seine Recherchen zusammen und kreierte einen Typ als Durchschnittswert. An dem Durchschnittstyp probiert er dann aus, was die Wirtschaft als Erfolgsförderung versteht.

Doch gerade die Manifesta, die Europabiennale noch jungen Datums spiegelt ganz vehement die Brüche und Transformationen die sich auch im Kunstkontext entwickeln. Auch hier sind die Fronten aufgeweicht, die Zuständigkeiten, Künstler, Theoretiker, Journalist, Besucher durcheinandergewürfelt. In diesem jungen Jahrtausend scheinen tradierte Werte nicht mehr zu halten, alles muss neu erlebt, erlitten und definiert werden. Das größte Problem waren und sind die Scheingefechte. Zu diesem Thema bot die Schriftstellerin Hilda Doolittle Anschauungsmaterial auf der Documenta. Sie demontierte die Sage von der schönen Helena, deretwegen angeblich der trojanische Krieg entbrannte, der wohl eher wegen der Kontrolle über die Ost-West-Handelsstraßen geführt wurde, indem sie das (angebliche) Objekt der Begierde einfach in ein anders Land verlagerte und damit die Geschichte durcheinanderbrachte.

KOMMENTARE ZUR ENTWICKLUNG DER GESELLSCHAFT:

Zum Beispiel Doping von Peter Plaikner in der Tiroler Tageszeitung:

In Südtirol wandern die Besitzer von Fitness-Studios hinter Gitter. In Innsbruck rechtfertigt der Skiverband die Blutbestrahlung vom vergangenen Winter. In Bonn entsteht die nationale Anti-Doping-Agentur, 6.6 Millionen Euro hat sie vorerst zur Verfügung.

Das Geld wird nicht ausreichen. Keine Summe vermag Wirkung zu garantieren. Denn Doping im Sport ist nur die populäre Spitze einer negativen gesellschaftlichen Gesamtentwicklung. Betrug im größtmöglichen Stil, Blenden und geblendet werden. Um jeden Preis. Wie Schönheit unterliegt auch Fitness dem globalen Modediktat. Mehr denn je kann fragwürdigen Idealen nahegerückt werden. Silikon für den Busen ist wie Anabolika für Muskeln. Das eine steigert die Wirkung der Gestalt, das andere auch die Leistung des Körpers. Unterschiede liegen eher in der Legalität als im Delikt.

Letztlich geht es immer um Eigen-Design, ums Aufmotzen der Ego-Hülle. Warum die ästhetische Karosserie-Korrektur erlaubt und das leistungssteigernde Motor-Tuning verboten sein soll, lässt sich nur schwer argumentieren. Worte stehen hier auf verlorenem Posten. Sie haben das Match gegen die Bilderflut verloren.

Die Terror-Hydra von Gerhard Bitzan in Die Presse

Alexandros Giotopoulos führte ein Doppelleben und war seit fast drei Jahrzehnten Chef der Terrorgruppe „17.November"". Bei der Festnahme gab er alles zu und sagte, er übernehme die „politische Verantwortung" für alles, eine Aussage die ein Schlaglicht auf die Denkweise von Linksterrorosten wirft. In ihrer 27jährigen Tätigkeit hat 17 N wie die Gruppe genannt wird, bei Anschlägen 23 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Und das alles war „politisch?" Mit der Zerschlagung der 17 N ist Europas letzte Linksguerilla ausradiert. Der alte Terror ist also tot, aber wir dürfen uns keinesfalls zurücklehnen, denn der neue Terror ist umso gefährlicher. Zwar ist Amerika das primäre Ziel, wie der 11. September gezeigt hat, aber Europa als Teil des Westens ist genauso im Visier der Terroristen, die sich in diffuser Weise gegen Globalisierung, Wirtschaftsimperialismus, Kapitalismus – eigentlich gegen alles Westliche wenden. Und ähnlich wie die europäischen Linksterrorosten glauben Bin Laden und seine Terror-Epigonen, das Recht zu haben, Menschen nach Belieben töten zu können. Der gefährliche Unterschied ist der, dass früher vor allem Einzelpersonen im Visier der Attentäter waren, heute geht es in erster Linie um die Menge. Je mehr Menschen umkommen, umso besser – so die unfassbare Sicht der Terroristen.

Freiflug in die Lächerlichkeit von Anneliese Rohrer in Die Presse

Vor 23 Jahren stöhnte Österreich unter einem horrenden Budgetdefizit, aber der politische Sinkflug des damaligen Finanzminister Hannes Androsch begann mit 60.000 Schilling für den Opernball, 1997, einer 10.000 Schilling Torte und seiner Anzahl von Anzügen im Kasten. Unter den Milliarden des Defizits, unter den hunderten vergeudeten Millionen für die Verstaatlichte Industrie konnten sich Österreicher nichts vorstellen.

Auch dieser Skandal wurde wenige Wochen vor einer Bundeswahl bekannt, ähnliches lief in Deutschland ab: 4,1 Millionen Arbeitslose und 22 Millionen Euro für den darnieder liegenden Arbeitsmarkt, was soll´s ! Geldvernichtung an den Börsen – na und? Ein sanierungsbedürftiges Sozial- und Bildungssystem? Alles nicht wirklich begreifbare Themen. Zu kompliziert. Es sind meist die nichtigen Anlässe, die Politiker zum Absturz bringen.

 

ZUM ERFOLGSREZEPT VON POPULISTEN

 

Mit Kommentaren die schon so differenziert beginnen wie die vorangegangenen, kann man zwar Zusammenhänge herstellen, vielleicht Einverständnis erzeugen, vielleicht beifälliges Kopfnicken provozieren, Emotionslawinen tritt man damit nicht los. Im Grunde genommen löst man zwiespältige Gefühle aus, weil die Leser zu dem ein oder anderen Schluss kommen müssten, der sie selbst betrifft. Entweder ist man ja selbst nicht ganz frei von Dopingmethoden in einem noch harmlosen Ausmaß, oder man will einfach nicht wahrhaben, dass linke Politmorde so wie rechte Politmorde gesehen werden müssen, weil das Herz links schlägt, oder aber man merkt, dass man tatsächlich nicht den Überblick hat über das Geschehen im Lande, und man auch nur so richtig heiß läuft, wenn der Neid als Stachel hinzukommt.

Populisten treffen erstaunlich oft ins Schwarze, sie geben ja gebeten oder nicht, dauernd Kommentare ab, setzen aber gerade den Faktor Neid gezielt ein und halten die arm/unschuldigen Massen heraus aus dem Schussfeld der Kritik. Das ist super, denn da muss man sicht nicht selbst bei der Nase nehmen, man kann sich ausschließlich über die da oben, die gerade an der Macht sind aufregen. Das ist auch das Erfolgsrezept von Massenmedien, man erzeugt temporäre Feinde die der eigenen Auflage nicht schaden. Willig zitieren gerade auch die Linksorientierten seit Jahr und Tag Haider und gaben ihm die Auftritte die er sich wünschte. Würde er nicht selbst Fehler machen bei seiner Imagebildung, er wäre unschlagbar geblieben, denn gerade das schüren von Angst vor einem Gespenst, macht es ja stark. Der neue Abfangjäger-Volksbegehrer Rudolf Fußi beherrscht die Gabe der griffigen Sager genauso. Er hat auch nichts gegen Populismus, er weis wie man die Medienlandschaft bedient. Nur wenn er die Leute dazu auffordert, doch nicht für die Katastrophenopfer zu spenden, weil die Regierung eh genug Geld freimachen könnte, schreien Besonnene au weh, da ist er wohl etwas entgleist. Inzwischen wird aber Populismus auch von jenen Politikern eingefordert, die sich aus ihrer inneren Struktur heraus gar nicht dafür eignen, und das sogar von der eigenen Parteibasis. Auch ein Alexander van der Bellen kann es sich nicht leisten darauf zu verweisen, dass Abfangjäger vielleicht doch aufgrund der Verfassung nötig sind. Fakten jedweder Art zählen nicht, wenn Kampagnen zu Zielen damit torpediert werden könnten. Da schlägt auch ein Gusenbauer manipulationsfreundliche Wahlrechtserneuerungen vor, es gibt weder in Österreich, noch in Deutschland, die Partei die nicht in erster Linie ihr Machtvolumen im Auge hat.

INTERESSENSVERTRETUNGEN

Gehen wir nun davon aus, dass wir Interessensvertretungen wählen, in der Politik und auch in anderen Bereichen, Zugehörigkeit dort anstreben, wo Nutzen für uns herausschaut. Agieren unsere Interessensvertretungen überhaupt in unserem Interesse? Bekommen wir je , was die Werbung verspricht? Verschwenden wir nicht unglaublich viel Zeit damit, eitlen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken? Wissen wir überhaupt, was wir wirklich wollen? Sind wir nicht zu lockere Beute von Meinungsmachern?

DIE ZUKUNFT DER MEDIENBRANCHE:

Der aktuelle Stand in der Medienbranche erfordert kurze, prägnante Sätze die für ein Thema stehen und in der Folge für reichlich zerhackte Informationspakete, weil die unruhigen Zapper jederzeit irgendwo einsteigen könnten und dann aus Quotengründen gehalten werden sollen. Der Sinn scheint nun schon in allen Lebensbereichen in deren Vermarktung zu liegen. Diese Ausrichtung produziert Populisten und Konsumenten. Ich kann mir aber auch eine Zukunft für die Medienbranche vorstellen, in der man ein wohldosiertes Informationspaket, nicht zu viel und nicht zu wenig und vor allem nicht so abgeschlossen, als Einstieg versteht in ein miteinander reden. Zu den Waffen greifen die Menschen ja immer wenn sie nicht mehr miteinander reden können oder wollen.