| Norbert Mayr´s Texte zur
Baukultur in Stadt und Land Salzburg stehen exemplarisch für
"unabhängig"
STADTBÜHNE UND TALSCHLUSS In der Einführung verweist Otto Kapfinger auf die besondere Konstellation des Architekturkritikers Norbert Mayr, der als Kunsthistoriker, nicht Architekt, wie die meisten Architekturkritiker, sich ein vielschichtiges Recherchesystem erarbeitet hat, welches soziale Wirklichkeit, historisches Verdienst, örtliche Bezogenheit, technische Struktur und aktuelle Ästhetik in ihrer Wechselwirkung betrachtet. In Bezug auf Architektur hatte Salzburg in den 80er Jahren durch Johannes Voggenhuber und die Installierung des Gestaltungsbeirates auch eine hohe Zeit der Architekturkritik, die es aber nach Voggenhuber wieder zunehmend schwerer hatte. Es ist keine Salzburger Spezialität, dass Politik und Wirtschaft, Umwelt und Ästhetik in ihre Regeln spannen möchte und Geschichte mitunter in abstruser Weise zu Markt tragen will. Neben einigen internationalen Anmerkungen, konzentriert sich der Autor auf Salzburg. Er lebt hier und verfolgt das Geschehen genau. Als freier Autor unterliegt er keinerlei Weisungen, gehört zwar zur Szene durch hunderte publizierte Artikel, ist aber nicht Teil eines Lagers. Das ermöglicht mitunter auch Zeitungen besondere Offenheit bei heiklen Themen vor Ort. Der unaufgeregte Stil seiner Texte, die unmißverständlich Mißstände beim Namen nennen, diese mit schwer widerlegbaren Daten und Ziffern belegen, oft mit der historischen Entwicklung detailiert untermauert, wirkt ebenso engagiert wie schwer angreifbar. Es kommt noch hinzu, dass man seinen Texten über Salzburg die Verbundenheit mit dieser Stadt anmerkt. Im Interesse an den Entwicklungen gerade dieser Stadt als öffentlichem Raum, möchte er sie davor bewahren zum "Schani der Gastronomie" und der Geschäftswelt zu werden. Die "Kultur des Wettstreits von Ideen", der Wettbewerb, wurde gerade beim "Haus für Mozart" übel unterlaufen, Norbert Mayr zeichnet die Stationen der Posse auf der Stadtbühne unter "Der Weg zum Haus für Holzbauer" minutiös nach. Vieles in dem Buch, erschienen im Otto Müller Verlag, ISBN 3-7013-1117-X, gilt auch für andere Städte, man könnte ähnliche Machtspielchen beklagen, unnötige Verzögerungen, falsche Entscheidungen, unsensiblen Umgang mit Bausubstanz, Angst vor Zeitgenossenschaft. Wichtiger als die notwendige Kritik, ist das setzten von Begriffen zur Baukultur, besprechen von guten Beispielen. |