HANS KNOLL (Galerist im Bild) hat das Thema der VIENNAFAIR - den Focus auf die Osteuropäer, schon lange vor der Gründung der Viennafair vorweggenommen, in seinem Angebot, in der qualitätvollen Auseinandersetzung mit den Künstlern, die man aus dem Westen gesehen, ohnehin als Mitteleuropäer betrachtet (inklusive Österreich) und durch seine zweite Galerie in Budapest. Auf der Viennafair zeigt er inhaltlich sehr aktuelle Bilder (oben: AES-F, LAST RIOT 2) ein aufwändiges Verfahren mit Modellen und digitaler Fotografie, hineinkopierten Hintergründen, dann auf Leinen kopiert und gefirnißt, somit wieder in eine traditionelle Praxis überführt, beziehungsweise einen solchen Anschein erweckend. Das Bild 2 von AKOS BIRKAS (LIKE A MOVIE 2007) ist insoferne überraschend, als sich der Maler in letzter Zeit einem zeitgenössischen Realismus widmet und in traditioneller Technik, absolut zeitgenössische, aktuelle Themen angeht und ein Gefühl für diese Zeitgenossenschaft auch vermitteln kann: In der Kunst gibt es den "digital divide" nicht mehr!

Die Galerie "lokal_30" aus Warschau hatte im letzten Jahr den Galeriepreis bekommen und überzeugt auch diesmal mit stark raumbezogener Malerei. Bild 1 von Karoline Zdunek schafft Raum, erzeugt aus Fläche Raum mit klaren Mitteln, Jan Mioduszewski malt ebenfalls, es sind keine computergesteuerten Transformationen von Möbeln, die Holzlasur verdankt er nicht einer Software, es ist alles penibel gemalt. Daneben baut er auch Möbel in realer Größe, die für Performances verwendet werden.

Die medialen Übergriffe finden sich auch jenseits von all dem, was man aktuell gerne CROSSMEDIA nennt, die Augentäuschungen des Barock erstehen in anderen Ansätzen neu. Die mediale Vielfalt und Irritation, wie sie als Angebot in allen Lebensbereichen vorhanden ist spiegelt sich in der Kunst.

TALENT nennt sich der Künstler Vladimir Peric, gesehen bei der Galerie REMOT aus Belgrad, er schreibt  die Zeit neu, mit kleinen Uhrmechaniken, die sich drehen und kokett eine ganz normale Feder von einem Federvieh bewegen und derart die Zahlen der Uhr ersetzen. Remot ist eine unabhängige Künstlervereinigung, Künstler kann man auf www.serbiancontemporaryart.info finden.

AIDAN GALLERY aus Moskau, agiert sehr professionell und geht seit vielen Jahren schon auf andere Messen in Europa und an die Armory Show, New York. Es handelt sich um die erste private Galerie in Moskau, die 1992 gegründet wurde, der nicht viele gefolgt sind. PHILIPP DONTSOV wurde in St. Petersburg (Leneingrad) geboren und absolvierte dort die Akademie für Kunst und Design. Sein "Family Laokoon" ist Teil einer Serie virtueller Familienbilder, die in digitalen Rahmen auf einem Board stehen und animiert sind. Das klassische Familienbild, Kleinfamilie am Strand oder Mutter mit Kleinkind, wird auf eine übergeordnete Botschaft "reduziert", jedoch gleichzeitig "künstlich" bewegt, denn in dem Rahmen ist ein Chip, der die Animation am laufen hält.

Für den diskursiven Teil sorgte diesmal die AICA: Internationale Kunstkritikervereinigung. Auf großes Interesse stieß die Runde "Was macht Biennalen so attraktiv? Am Podium waren Xenia Kalpaktsoglou, 1. Athener Biennale 2007, praktisch ohne Unterstützung des Landes (sowas gibt es auch) Carolyn Christov-Bakargiev, 16. Biennale of Sydney 2008, Hans Ulrich Obrist, 9. Lyon Biennale, und Kurator bei der 3. Yokohama Triennale 2008, Manray Hsu, Liverpool Biennale 2006, begrüßt von Sabine B. Vogel, AICA Austria. In aller Regel sind Städte daran interessiert, Biennalen abzuhalten und sind bereit zum Teil beachtliche Mittel dafür aufzustellen; die bange Frage beleibt immer ob es darüber hinaus auch noch Eingriffe ins Inhaltliche gibt. Die Vielzahl der Biennalen führt derzeit zu einer beachtlichen Konkurrenz, die aber jetzt nicht mehr als Problem gesehen wird, die Abgrenzung durch unterschiedliche Ideen, Strukturen und Künstler läßt alle leben. Allerdings nennt sich heute bald mal was Biennale, was vielleicht früher Ausstellung geheißen hätte, der tatsächliche Unterschied zu anderen Großevents ist der 2 oder 3 Jahresrythmus. Die Strategie der Urbiennale, der ersten Biennale in Venedig, mit den Länderpavillions, wird heute nicht mehr von anderen Orten übernommen. Venedig war ja ursprünglich eine Verkaufsausstellung. Aktuell besteht eine Tendenz dazu, auch am gleichen Ort immer wieder neue Ideen auszuprobieren und neue Kuratoren zu bestellen. Die Attraktivität der Städte steigt, wenn sich solche Kunstevents etablieren, der Mehrwert kann nicht nur als Hebung der Fremdenverkehrsquote gelesen werden, es wird viel Wissen und Kunstklima vor Ort produziert, durch all die begleitenden Aktivitäten wie Kataloge und Führungen.