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Jung, frisch, gut organisiert, geht SOUND-FRAME in die dritte Runde, und hat sich zum Festival gemausert. Mit der historischen Hinterfütterung hat man nicht so viel Freude, weil irgendwelche Bezüge zu, oder Herleitungen von Richard Wagners Opern-Gesamtkunstwerken, mit ihren schweren Inhalten und emotionalen Rückwendungen passen kaum zu der aus der Unterhaltungsindustrie heraus entstandenen, von Clubkulturen destilierten Entwicklungen. Hingegen hat es, allerdings nur im Kunstkontext, ähnlich lockere, designte, multimediale Manifestationen gerade von Wien aus, schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gegeben, deren man vielleicht gedenken könnte. Zum Lebensgefühl, und dieser breiten Akzeptanz, ist da eher der Walzerkönig am Tanzparkett und die Operette als multimediales Präsentationsmodell, Vorläufer für die digitalen Mixformen aus Musik und Visuellem, wie sie jetzt im Künstlerhaus Aufnahme finden, zu zitieren. Denn wie man´s auch dreht, Sound:Frame ist leichte Muse. GESAMTKUNSTWERK íst ein verzichtbares, belastetes Wort, wenden wir uns der ansprechenden Grafik, den ansprechenden Räumen, beziehungsweise Raumgestaltungen, dem flüchtigen Kontent zu, der mit geschickter Hand von der Kuratorin und Organisatorin EVA FISCHER zum schlüssigen Festival aufgebaut wurde. Als Zusamenfassung einer aktuellen Szene funktioniert SOUND-FRAME bestens, und kann sich als Festival in ähnlich geartete Festivals, wie etwa das Mapping-Festival in Genf einreihen. Mit dem Focus auf Remix, den derzeit so geliebten und ebenso naiv wie selbstbewußt gehandhabten Verwertungspraktiken von Musik und Visuellen Produktionen, wird Evolution dargestellt, die Collage feiert fröhliche Wiederkehr, und Dada wird als in den Kunstraum gehobenes Alltagsdesign ebenfalls als Vorläufer empfunden. Wobei es natürlich nichts zu gebrauchen und verbrauchen gäbe, wenn zuvor nicht viel kreiert worden wäre, oder erstmals positioniert. Nicht alles war immer wieder Collage, und schon garnicht mit fremden Federn. Dieses sich rückwärts vernetzen wollen funktioniert nicht.
Der Diskurs im Künstlerhaus, zu den Verhaltensformen und Produktionsbedingungen jener Leute, die neben dem DJ jetzt das VJ machen, zeigt sich einmal, dass diese "Kunst" doch im angewandten Bereich bleibt, allerdings doch etwa wie eine gute Illustration in einem Buch, durchaus Möglichkeiten hat aufzuzeigen, andererseits, dass, wiewohl es ja Projektionen in Discos wirklich schon nahezu solange gibt, solange es Discos gibt, VJs im Schatten der DJs immer noch Mühe mit der Bezahlung ihrer Arbeit und der in den Clubs vorhandenen Ausstattung haben.
In der Ausstellung: Von atmenden Skulpturen, bis zu parallenen Gesten auf zahlreichen Monitoren, ist technisch nichts neu, neu ist jedenfalls dass alles etwas lustiger, verspielter ist, als es meistens im Kunstkotext der Fall ist. Es gibt so viele Gesten und Bedürfnisse sich zu artikulieren, die es auch wert sind gestaltet und vorgeführt zu werden, auch wenn sie an die Handyporträts Jugendlicher erinnern.
Zweierlei Mischpulte kann man im BRUT beobachten, welches sich, wiewohl als Theater angelegt, gerade für die Ansprüche und Anforderungen der VJs eignet, denn jetzt stehen beide auf der Bühne und werden als Produzenten der Mixkultur auch wahrgenommen.
Osterkücken als Ventilator ist schon ganz witzig, nachdem davor endlos abwechselnd ein verpackter Hase und besagtes Kücken durch ins Bild rücken die Show bestritten haben.Osterfeeling in Vienna! Hey, wer will sowas?
Die mehrfach zur Bespielung installierten Leinwände und Objekte sind sehr viel perfekter als das etwa noch vor SOUND-FRAME im gemieteten Saal im Museumsquartier war, und viel schöner als bei der ersten Ausgabe von SOUND-FRAME, als man da im Künsterhaus-Foyer noch improvisieren musste, ideal für LIVE ACTS.
Vom Balkon des Brut genießt man einen bezaubernden Blick auf den Musikverein und das Wien Museum.
Vom Balkon (innen) kann man auch noch den VJs auf die Finger schauen, wie sie etwa Würfel zwischen den Fingern rollen, und verschiedene Utensilien beim Mixen ihrer Lichtdesigns nützen. Doch was auf Tanz abzielt, kann die Trinker und Raucher oft stundenlang nicht zur Bewegung verführen, ist man da gemeinsam einsam? |